Buchbesprechung „Nieder mit dem Zentralismus“

„Die Presse“ vom 29.04.2015, Seite: 6 

Munition für die Länder gegen Wiener Ministerialbürokratie

In einer schmalen Streitschrift wird dem Wien-Zentralismus der Kampf angesagt.

In Zeiten, in denen Österreichs Steuerzahler und der Finanzminister eben den finanziellen Misthaufen der Hypo Alpe Adria mit Kärnten abbauen müssen, gehört eine Portion Mut dazu, sich für den Föderalismus und den Erhalt von Landes- und Gemeindekompetenzen ins Zeug zu legen. Alexander Purger, stellvertretender Leiter der Wien-Redaktion der „Salzburger Nachrichten“, tut dies mit der Streitschrift „Nieder mit dem Zentralismus!“. In dem 50 Seiten schmalen Band listet er schlaglichtartig auf, dass Begriffe wie sparsam, bürgernah und demokratisch gute Argumente für mehr Föderalismus seien. Er beklagt, dass Bund und Länder mit dem jetzigen Zustand zufrieden sind.

Länder wie Kärnten tragen einiges dazu bei, dass viele danach schreien, ihnen zentral vom Bund Vorgaben aufzuerlegen. Aber der streitbare Schreiber führt Beispiele gegen den auch von Journalisten herzhaft angefeuerten (Wiener) „Meinungszentralismus“ an: darunter die lebensfremde vom Unterrichtsministerium verordnete Auflassung von Kleinschulen, Zentralküchen beim Bundesheer statt sinnvoller Einbindung regionaler Gasthöfe bei der Verpflegung von Rekruten und nur in Wien beheimatete „Ministerialbürokratie“, die vor allem danach trachtet, sich selbst am (Arbeits-)Leben zu erhalten.

Überlegenswerte Denkansätze. Fragt sich nur, ob Landespolitiker diese Munition nicht falsch einsetzen, um weiter unnötigen Föderalismuskitsch zu bewahren. (ett)

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